|
Dem „Mann mit dem Hammer“ ein
Schnippchen schlagen...
Der „Mann mit Hammer“, die „Mauer“ zwischen Km 30 und 35 – der Alptraum aller
Marathonis! Wohl jeder Marathonneuling hat schon irgendeine Gruselgeschichte
gehört über den Moment, an dem plötzlich gar nichts mehr ging.
Was sind die überhaupt die Voraussetzungen, um die 42,2 km eines Marathons
durchstehen zu können?
Schon bei einem 400 m-Lauf schnappe ich bald nach Luft, wenn ich loslaufe so
schnell es gerade geht. Die Beine werden schwer und geben ihren Dienst sehr
schnell auf.
Woran liegt das?
Um Energie in die Muskeln zu transportieren, ist Sauerstoff erforderlich. Kann
ich aber nicht so viel Sauerstoff aufnehmen, wie ich im Moment benötige, lagern
sich Laktate in der Muskulatur ab, die ein Weiterlaufen schnell unmöglich
machen. Eine längere Laufdistanz, insbesondere einen Marathon, kann ich also nur
durchstehen, wenn ich möglichst lange ein Gleichgewicht von Energieverbrauch und
Sauerstoffnahme erhalte. Die Energiegewinnung muss aerob (= mit Sauerstoff) und
nicht anaerob (=ohne Sauerstoff) erfolgen.
Warum trifft mich der „Mann mit dem Hammer“ manchmal auch dann, wenn ich lange
das Gefühl habe, kein Sauerstoffdefizit einzugehen?
Die Energievorräte selbst und deren Verbrauch sind der zweite entscheidende
Faktor, um einen Marathon durchzustehen. Zunächst greift der Körper bei der
Energiegewinnung auf die Kohlenhydratvorräte zurück. Allerdings sind die
Kohlenhydrate im Körper nur begrenzt speicherfähig und bei einem Marathon eben
häufig nach rund 30 Kilometern verbraucht. Unser zweiter Energielieferant, die
Fette, ist zwar ausreichend vorhanden, zu seiner Verbrennung wird jedoch
wesentlich mehr Sauerstoff benötigt. Die Folge ist, dass bei einer sehr abrupten
Umstellung von der Kohlenhydrat- auf die Fettverbrennung der Atemrhythmus höher
wird, auch wenn die Laufgeschwindigkeit eher sinkt.
Was kann ich aber tun, um einerseits die aerobe Kapazität zu erhöhen und
andererseits das abrupte Umschalten von Kohlenhydrat- auf Fettverbrennung zu
verhindern?
· Jeder Trainingskilometer, den ich als Marathonneuling unterhalb der anaeroben
Schwelle zurücklege, ist ein Beitrag zur Erhöhung der aeroben Kapazität. Die
Erhöhung der Trainingsumfänge bei einem gleichbleibend ruhigen Tempo muss immer
die Richtschnur des Trainings sein.
· Je langsamer ich laufe, um so mehr schone ich meine Kohlenhydrareserven. Wie
beim Benzinverbrauch des Autos steigt auch der Verbrauch des Treibstoffs
Kohlenhydrate mit einem höheren Lauftempo.
· Mit langen Läufen über zwei bis drei Stunden in einem bewusst langsamen Tempo
wird auch der Fettstoffwechsel trainiert und einer allzu abrupten Umstellung der
Energiegewinnung vorgebeugt.
· Insbesondere bei einem sehr langsamen Trainingsbeginn ist der Anteil der
Fettverbrennung von vornherein größer. Schon unmittelbar nach dem Start eines
Marathons werden oft durch ein zu schnelles Anfangstempo Energien verschleudert,
deren Fehlen am Ende ein besseres Resultat unmöglich machen.
Der Tipp für die Praxis: Gerade der Marathonneuling sollte möglichst immer so
trainieren, dass er am Ende das Gefühl hat, er könne eigentlich noch ein Stück
weiter laufen! |