Band- und Kapselverletzung

Bei der Verstauchung (Distorsion), einer typischen Sportverletzung, kommt es aufgrund einer "Überbewegung" zu einer Verletzung von Kapseln und Bändern des betroffenen Gelenkes. Wenn keine Begleitverletzungen des Knochens vorliegen, dann erfolgt die Behandlung in der Regel konservativ, also nicht operativ. Bei jungen und aktiven Leistungssportlern sowie bei einer bestehenden Instabilität des Gelenks kommt eventuell eine operative Behandlung infrage.

Die Prognose von unkomplizierten Distorsionen ist prinzipiell gut, die völlige Wiederherstellung auch der Sporttauglichkeit wird meist spätestens innerhalb von drei Monaten erreicht.

Allgemeines

Verstauchungen (Distorsionen) treten vor Allem bei sportlichen Aktivitäten auf und zählen dort mit zu den häufigsten Verletzungen. Dabei sind die Distorsionen des oberen Sprunggelenks in den sportmedizinischen Praxen besonders häufig zu sehen. Mit dem Begriff "Distorsion" wird dabei in erster Linie der Verletzungsmechanismus, und nicht die Verletzung selbst beschrieben.

Bei einer Distorsion kommt es durch Gewalteinwirkung auf ein Gelenk zu einer Bewegung, die den physiologischen Bewegungsspielraum des Gelenks überschreitet. Der Kapsel- und Bandapparat des Gelenks wird dabei geschädigt. Zudem hängt das Ausmaß der Schädigung von der Stärke der Gewalteinwirkung ab. So werden bei leichteren Verstauchungen die Faserstrukturen lediglich überdehnt, während es bei stärkeren Gewalteinwirkungen zum teilweise oder gar kompletten Riss der Gelenkkapsel oder der Bänder kommen kann. Die Folge: Eine mehr oder weniger ausgeprägte Instabilität des betroffenen Gelenks.

Symptome

Das Leitsymptom der Distorsion ist in erster Linie der Schmerz, sehr häufig findet sich auch eine ausgeprägte Gelenkschwellung. Die Belastung des Gelenks ist zwar schmerzhaft aber dennoch möglich. Sollte das betroffene Gelenk jedoch nicht mehr belastbar sein, muss von einer begleitenden Verletzung der knöchernen Gelenkanteile (Fraktur) ausgegangen werden. Je nach Ausmaß des Traumas besteht außerdem oft eine pathologische Instabilität des Gelenks.

Therapie

Sofortmaßnahmen

Nach einer Verstauchung sollte das betroffene Gelenk geschont werden. Zur Schmerzbehandlung und zur Minimierung von Hämatomen, also Blutergüssen, hat sich die Auflage eines Eisbeutels bewährt. Zusätzlich kann das Gelenk hoch gelagert werden. Ein stützender Verband stabilisiert das Gelenk und hält durch eine gewisse Kompression das Ausmaß der Gelenkschwellung in Grenzen.

Die weitere Behandlung sollte unbedingt durch einen Arzt erfolgen. Mit einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung, die durch Röntgenaufnahmen und gegebenenfalls CT-und Kernspinuntersuchungen ergänzt werden, können Begleitverletzungen z.B. des Knochens sowie eine abnorme Gelenkbeweglichkeit ausgeschlossen werden. Sind keine Begleitverletzungen vorhanden, erfolgt eine konservative Therapie. Eine Operation ist in diesen Fällen also nicht erforderlich. Bei der konservativen Therapie wird das betroffene Gelenk für ein bis zwei Wochen stabilisiert und somit geschont. In der Regel reicht hier ein Verband mit elastischen Binden oder ein Tapeverband aus. Zeigt sich in der ärztlichen Untersuchung jedoch eine Gelenkinstabilität, dann muss die operative Rekonstruktion des geschädigten Kapsel-Band-Apparates erwogen werden. Vor allem bei jüngeren und aktiven Leistungssportlern kommt diese Methode häufiger infrage. In jedem Fall ist beim Vorliegen einer Gelenkinstabilität eine Ruhigstellung des verletzten Gelenks für vier bis sechs Wochen sinnvoll. Liegt zusätzlich eine Knochenverletzung wird diese vorrangig therapiert.

Rehabilitation

Nach dem Ende der Ruhigstellung und Schonung kann das Gelenk allmählich wieder belastet werden. Zunächst jedoch nur mit geringer Belastung, die dann abhängig von eventuellen Schmerzen gesteigert wird. In den ersten vier bis sechs Monaten sollte vor Allem beim Sport ein geeigneter Gelenkschutz - beispielsweise ein Tape-Verband - getragen werden. Die Muskulatur sollte vor Aufnahme von sportlichen Betätigungen unbedingt wieder so weit aufgebaut werden, dass durch die umgebende Muskulatur eine ausreichende Stabilität des Gelenks gewährleistet ist.

Prophylaxe

Ein guter Trainingszustand und sorgfältiges Aufwärmen vor sportlichen Betätigungen minimieren das Risiko einer Distorsion erheblich. Auch eine geeignete Ausrüstung kann dabei hilfreich sein, so schützen beispielsweise Schuhe, die bis über den Knöchel reichen vor Sprunggelenksdistorsionen. Vorbeugend können gefährdete Gelenke bei entsprechenden Sportarten (Fingergelenke beim Volleyball) auch bandagiert oder mit einem Tape-Verband geschützt werden.

Prognose

Einfache Distorsionen heilen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen aus. Je nach verletztem Gelenk können jedoch noch längere Zeit Beschwerden bestehen, so z.B. bei der Distorsion eines Fingergelenkes. Sind Kapselbänder gerissen, kommt es unter konservativer Therapie zu einer narbigen Defektheilung der Bänder. Meist bietet das Narbengewebe dem Gelenk ausreichende Stabilität, in manchen Fällen jedoch ist das verheilte Band zu schlaff (Bandinsuffizienz): Es entsteht dadurch eine Gelenkinstabilität. In diesen Fällen sollte eine Operation in Betracht gezogen werden. Verletzungen von jenen Bändern, die frei im Gelenk ohne Bezug zur Kapsel verlaufen, wie beispielsweise die Kreuzbänder des Kniegelenkes, heilen unter konservativer Therapie meist nicht aus. Solche Verletzungen sollten besonders bei Sportlern operativ versorgt werden. Bei komplikationslosem Verlauf ist die vollständige Sporttauglichkeit meist spätestens nach drei Monaten wieder gegeben.

 

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